Böses WhatsApp – warum Kirche aktiv werden sollte

Böses WhatsApp und die dienstlichen Folgen
Ja, dass Whatsapp böse ist, wissen wir alle. Unter anderem stellt man dem Unternehmen Facebook alle Nummer aus den eigenen Kontakten zur Verfügung. Dass die physikalische Datenspeicherung außerhalb der EU stattfindet, fördert das Vertrauen auch nicht gerade.

Dementsprechend waren dann auch die Auskünfte der kirchlichen Datenschutzbeauftragten im letzten Jahr. Die Kommunikation mit „Kunden“ ist im kirchlichen Dienst nicht erlaubt. („Die Konferenz der Diözesandatenschutzbeauftragten beschließt, dass die Verwendung eines
Messenger-Dienstes zu dienstlichen Zwecken untersagt ist“, 4.5.2017)
„Lenken Sie die Kommunikation doch einfach auf ein anderes Medium um“, war der überaus hilfreiche Hinweis.

Wo ist meine Zielgruppe online?
Nun, meine Kunden sind Jugendliche und junge Erwachsene. 95% dieser Zielgruppe nutzt WhatsApp. Und wie soll ich arbeiten, wenn diese Art der Kommunikation wegfällt?
Klar, es gibt Alternativen. Ich habe Threema und Telegram installiert und bei beiden Messengern insgesamt fünf Kontakte, dabei aber keiner aus der o.g. Zielgruppe. Gerade bei den jungen Menschen, für die ich Ansprechpartner bin, bin ich entweder über WA erreichbar oder gar nicht. Telefoniert wird eh nicht, EMails werden kaum gelesen, da wäre die Erreichbarkeit höher, wenn ich etwas über Mutti ausrichten ließe. Wenn ich nicht dort bin, wo die Zielgruppe ist, bin ich für sie unsichtbar.

Ein Kollege erzählte, dass er den Jugendlichen angeboten habe, ihnen einen Threema-Account zu bezahlen – kein Interesse. Ohne WhatsApp gehe ich als personales Angebot meines Verbandes verloren.

Und was macht die Kirche? Spricht dienstliche Verbote aus. Lieber nicht mehr erreichbar sein für junge Menschen, die häufig über personale Ansprache bei Kirche bleiben. Das geht soweit, dass Mitarbeitende vor ihren Vorgesetzten WhatsApp auf dem Diensthandy deinstallieren müssen.
Ich bezweifel nicht, dass ich WhatsApp meine Daten verkaufe, dadurch, dass ich es nutze. Und ich bin mir auch sicher, dass viele junge Menschen dies nicht abschätzen können. Und wir dies auch im Sinne unseres Bildungsauftrages transparent aufzeigen sollten.

Was ich mich von der Kirche wünsche
Ich würde mir aber von der Institution Kirche, hier speziell der Konferenz der Datenschutzbeauftragten, mehr Initiative wünschen. Warum ist es nicht möglich, politisch aktiv zu werden? Der Konferenz muss klar sein, was es für viele in der kirchlichen Jugendarbeit tätige Menschen problematisch ist, auf WhatsApp zu verzichten. Warum arbeitet man nicht darauf hin, als großer einflussreicher Player zumindest zu versuchen, Druck auf Facebook auszuüben, oder Alternativen zu bauen, die praktikabel sind?
„Hallo Facebook, wir sind ca. 40 Millionen Christ*innen in Deutschland – und wünschen uns eine datenschutzsichere WhatsApp-Variante, und würden auch dafür bezahlen.“
Hier eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, und mal sehen, was draus wird. Beim Coca-Cola-Boykott des BDKJ hat man gesehen, dass so ein Engagement durchaus bemerkt wird. Oder ist das naiv? Vermutlich. Aber besser ein Versuch als Resignation.

So, wie es jetzt ist, werde ich alleine im Regen stehen gelassen und muss wie fast alle mir bekannten Kolleg*innen verbotenerweise WhatsApp weiter nutzen. Sonst wäre ich für die jungen Menschen eben nicht mehr da und könnte meinen Job nicht mehr gut ausfüllen.
Was habt ihr für Erfahrungen oder Alternativen?

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