Macht es noch Spaß?

„Gehste noch zur Alemannia?“ – werde ich oft gefragt, wenn ich nach längerer Zeit alte Bekannte treffe. Oder: „wie isses mit de´Alemannia?“

Tatsächlich hat mein Elan in den letzten Jahren etwas nachgelassen – quasi wie die Fieberkurve der Alemannia. Den Zeitplan nach Spielplan ausrichten, so wie früher – das geht nicht mehr. Und das hat nichts damit zu tun, dass nun Kinder da sind – es ist nicht mehr so wichtig. Mit Spaß hat das nicht viel zu tun – jetzt zur Winterpause weiß ich schon, dass die Alemannia mit dem Auf- und mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben wird, und dass die Hälfte des Kaders im Sommer wieder weggehen wird. Und das kann die nächsten Jahre noch so weitergehen, solange es Vereine gibt, wo wie im letzten Jahr ein reicher Mann mal ein paar Millionen in den Kader steckt und somit den Aufstieg erzwingt.

Mein erstes Spiel war im Frühjahr 1989 – Alemannia gegen Wattenscheid 09, ich mit meinem Vater auf den Holzbänken der damaligen Haupttribüne – und wir mussten zusehen, wie der junge Maurice Banach (18 Monate vor seinem Unfalltod) uns abschoss. Was ich damals noch nicht wusste – es war die Abstiegssaison aus der 2. Liga – ich aber staunte als 10jähriger über Atmosphäre, Lautstärke und studierte das Spiel und die einzelnen Spieler.

Irgendwann werde ich hier mal einige Anekdoten aufschreiben, die ich mit der Alemannia erlebt habe – bis hin zum jetzigen Dahinsiechen in der vierten Liga. Oder von verrückten Auswärtsfahrten, um Länderpunkte zu ergattern, z.B. in die Ukraine. Ich habe auch noch einen Ordner, in dem ich von ca. 1996-2000 die jeweiligen Artikel zu den Spielen ausgeschnitten und abgeheftet habe.

Aber um auf den Anfang zurückzukommen – ja, ich gehe noch hin. Wenn ich Lust und Zeit habe. Weniger, um tollen Fußball vor einer rasenden Zuschauermenge zu gucken. Sondern eher, um alte Freunde, langjährige Leidensgenossen oder Stadionbekannte zu treffen und zu klönen. Manche kenne ich seit über 20 Jahren – und wir treffen uns nur im Stadion.
Oder – um neue Stadien zu sehen – in der Regionalliga sind das zwar eher Dorfplätze, aber Stadionpunkte zu sammeln – ob national oder international, hat mir schon immer Spaß gemacht.
Oder – um zu versuchen, meinen beiden Kindern Lust daran zu machen. Ich will sie zu nichts zwingen, aber wenn es laut im Stadion wird, leuchten deren Augen so wie bei mir 1990.

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