Heute bei Dir – ein Erwartungshorizont

Heute bei Dir, oder auch #heutebeidir ist der synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess des Bistum Aachen. Für diejenigen, denen das noch vollkommen neu ist, empfehle ich den kurzen Erklärfilm hier.

Der relativ neue Bischof Helmut Dieser möchte in vier inhaltlichen Handlungsfeldern und 17 Themenprozessgruppen, die gerade gebildet werden drei Phasen durchlaufen: Austausch und Analyse des Ist-Standes, Veränderungsstrategien, Neustrukturierung.

Als er dies in der Silvestermesse 2017 verkündete, war es eine große Überraschung für viele Mitarbeiter*innen des Bistums und Ehrenamtliche in der kirchlichen Struktur. Diese Laiengremien wie Katholikenrat oder Verbänderat kritisierten das Nicht-Mitgenommen-Werden und fühlen sich zu wenig beteiligt. Ähnlich bekomme ich es immer wieder von Bistumsmitarbeiter*innen mit, die sich nicht aktiv beteiligen sollen, aber ja eigentlich eine Expertise haben.

Sommergrillen mit Bischof

So, nun komme ich ins Spiel. Im Juli hatten wir die Möglichkeit, Bischof Dieser bei einem Abendessen bei uns zu Hause zu haben. Zusammen mit den drei Vorständler*innen der KjG, meinem Arbeitgeber, und dank meiner hervorragenden Bewerbung grillten wir und sprachen über Gott und die Welt. Bei der Frage des Bischofs, ob wir uns auch am Prozess beteiligen wollten, äußerte ich scherzhaft, dass ich mich für die Themenprozessgruppe „Kindertagesstätten als Ort von Kirche“ beworben habe, und befürchte, dass ich da alleine als Mann mit zehn älteren Erzieherinnen sitzen würde.

Das Abendessen mit dem Bischof war sehr nett und wir haben sehr schnell jegliche Ehrfurcht, falls wir welche hatten, abgelegt. Ich glaube, er selber hatte auch einen schönen Abend unter jungen, normalen Leuten, die einfach einen Gast zum Essen haben.

Abschluss der Küchentischtour

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Ende August wurden wir (viermal wir und dreimal KjG) dann in Dom und Rathaus geladen, weil das Ende der sogenannte Küchentisch-Tour gefeiert werden sollte. Im Dom meinte ich schon zu meiner Frau, dass offenbar viele ältere Menschen dabei seien, so war es auch später beim Empfang. Zum einen waren viele Leute mit diversen Posten dabei (aus Räten, Gremien o.ä.), die da waren, um wichtig da zu sein, oder um zum Ende des offiziellen Teils auf den Bischof zuliefen, um mit ihm das Gespräch zu suchen. Wie anstrengend. Auch dass beim Bühnenprogramm vor allem Leute unter 30 zu Wort kamen, war nicht repräsentativ für die Menschen, die insgesamt vor Ort waren.

Wir selber hatten Glück, ganz am Ende konnte Bischof Dieser seine o.g. Verfolger abschütteln und kam auf ein paar persönliche Worte zu uns an den Stehtisch. Mehr als Smalltalk ist da nicht drin, aber er war sichtlich froh, mal ein normales Gespräch führen zu können, u.a. mit dem 7jährigen über den Schulstart.

Heute bei Dir startet

Nun flatterte neulich Post herein, und ich wurde tatsächlich in die oben genannte Themenprozessgruppe für die Kindertagesstätten berufen. Ich bin da kein Experte, da hätte ich eher in die Gruppe der Verbände gepasst. Aber ich habe nun seit knapp fünf Jahren Einblicke in kirchliche Kindergärten und kann mich einbringen.

Als ich jedoch die Liste der anderen Menschen in der Gruppe durchging und die Namen googelte, erinnerte ich mich an meine Befürchtung vom Abend mit dem Bischof. Ich bin zwar nicht alleine als Mann unter Erzieherinnen, aber der jüngste Gruppenteilnehmer und, wenn ich das richtig sehe, der einzige Ehrenamtler. Alle anderen sind hauptberuflich in einer Leitungsposition o.ä. in einem Kindergarten oder einem Kindergartenträger. Das finde ich nicht sehr ausgewogen und glaube, schon von Beginn an einiges an Wissen aufarbeiten zu müssen. Vielleicht liegt die Zusammensetzung aber auch daran, dass es einfach zu wenig Bewerbungen für dieses Thema gab. Trotzdem befürchte ich lange Sitzungen und Diskussionen und leider auch vielleicht Menschen, die ihre Expertise aus 30 Jahren Berufserfahrung begründen und glauben zu wissen, wohin sich Kirche entwickeln muss.

Ende Oktober folgt dann ein Einführungstag für alle Teilnehmer*innen von Heute bei Dir, wo ich dann auch erfahren werde, wie die Arbeit startet bzw. weitergeht. Ich habe vor, hier transparent und regelmäßig meine Eindrücke vom Prozess niederzuschreiben.